C.S.Lewis

Warum er mich bis heute fasziniert

Von Patrik Nydegger

Ich hinterfrage gerne, auch meinen Glauben. Eine Antwort überzeugt mich nicht allein deshalb, weil sie gut klingt oder weil ich sie schon oft gehört habe. Ich möchte verstehen, ob sie auch trägt. Genau deshalb schätze ich C. S. Lewis.

Clive Staples Lewis (1898–1963) war ein in Belfast geborener Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Er lehrte in Oxford und später in Cambridge. Viele kennen ihn als Autor der «Chroniken von Narnia». Dass dieser christliche Autor lange selbst Atheist war, macht seinen Weg für mich besonders interessant. 1931 fand er zum christlichen Glauben zurück. Gespräche mit seinem Freund J. R. R. Tolkien spielten dabei eine wichtige Rolle.

Für die christliche Literatur ist bemerkenswert, wie unterschiedlich Lewis den Glauben zugänglich machte. In «Pardon, ich bin Christ» entwickelt er verständliche Argumente und nimmt Einwände gegen den Glauben ernst. In Narnia lässt er uns dagegen in einer erfundenen Welt erleben, was Schuld und Vergebung bedeuten. Wer vielleicht nie ein theologisches Buch öffnen würde, begegnet solchen Fragen plötzlich in einem Abenteuer.

Besonders spannend finde ich einen Gedanken, den Lewis im Austausch mit Tolkien entwickelte: In Mythen können unvollkommene Bruchstücke einer grösseren Wahrheit liegen. Die Sehnsucht nach Erlösung und einem Guten, das selbst den Tod überwindet, findet in Christus ihre Erfüllung. Lewis sprach vom Mythos, der Wirklichkeit wurde. Damit meinte er keineswegs, Jesus sei eine erfundene Figur. Für ihn ereignete sich in Jesus tatsächlich, was Menschen in ihren Geschichten zuvor nur erahnt hatten.

Für mich bedeutet das: Ich muss eine Mythologie nicht für wahr halten, um darin etwas Wahres zu entdecken. Mich interessiert, welche Sehnsucht eine Geschichte ausdrückt und worauf sie hinweist. Diese Verbindung von Fantasie und kritischem Denken fasziniert mich. Lewis ermutigt mich, auch ausserhalb vertrauter christlicher Formulierungen nach Wahrheit zu fragen.

Übrigens entstand «Pardon, ich bin Christ» aus Radioansprachen für die BBC. Lewis’ Gedanken erreichten viele Menschen also zuerst übers Ohr. Das passt wunderbar dazu, seine Bücher heute als Hörbuch zu entdecken.

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